Valentina Morianz

Valentina Morianz

Valentina Morianz (25) ist eine talentierte und aufstrebende Künstlerin, die in Graz lebt und in ihrem letzten Studienjahr an der FH Joanneum ist. Sie erzählt uns wie sie sich in der Grazer Kreativszene mit Illustrationen, Grafikdesign, Videoproduktionen und Fotos behauptet und warum sie in alten Wirtshäusern gerne Sprüche stiehlt. Einige ausgewählte Werke wurden bereits in der Grazer Galerie Les Editions Artfabriek ausgestellt, wo man sie auch käuflich erwerben kann.

Du bist noch so jung und schon ziemlich weit in der Welt herumgekommen – auf welche Weise hat dich das geprägt?

Das stimmt. Ich habe bereits Zeit in Australien, Neuseeland und Bali verbracht, außerdem ein Auslandsjahr in Valencia und einige Praktika im Ausland hinter mir. Das erste Mal war ich mit 16 in New York – dort erkannte ich sehr schnell, dass ich unbedingt etwas Kreatives machen möchte, denn in New York liegt die Kreativität einfach in der Luft. Man stolpert an jeder Ecke über sie und fühlt sich sofort inspiriert und motiviert. Nach meiner Rückkehr nach Graz, fühlte ich mich zwar eingeschränkt was die Möglichkeiten betrifft, aber dennoch hatte ich das Gefühl, dass ich hierbleiben möchte. Das Problem ist, dass man sich manchmal verschachtelt und in immer wiederkehrenden Mustern denkt, weil die Szene einfach sehr klein ist. Sobald man an andere Orte reist, sieht man wieder Neues und Innovatives, das man einpacken und nachhause mitnehmen kann. Trotzdem ist Graz eine wunderbare Stadt, um sich als Künstler auch auszuprobieren. Von allen Sparten gibt es nur eine Handvoll von Dingen und Repräsentanten und keiner tut sich gegenseitig weh. Der Konkurrenzkampf ist deutlich geringer als in Großstädten wie Wien oder NYC. Es ist alles familiär, überschaubar und man geht offen miteinander um. Derzeit kenne ich keine Stadt, wo es mir besser gefallen würde.

Machst du das Reisen aus Wanderlust oder um beruflich bessere Chancen zu haben?

Natürlich mache ich es auch aus privatem Interesse, denn es gibt schon Dinge, die mich an Graz stören, z. Bsp. die Kleinbürgerlichkeit. Dann sehe ich mich gerne in der Welt um und denke mir: vielleicht gibt es auch eine andere Stadt, wo es sich gut leben lässt. Ich denke in beruflicher Hinsicht macht es Sinn, schon in anderen Ländern gelebt und gearbeitet zu haben. Wenn man mit kulturellen Unterschieden umgehen kann, ist das im Job hilfreich. Außerdem nimmt man da auch persönlich sehr viel mit.

 

Dein Lieblingsort bisher?

Jeder Ort ist anders und hat seine positiven und negativen Eigenheiten, deshalb ist es schwer, diese Frage objektiv zu beantworten. New York finde ich sehr cool, aber leider kann man dort praktisch kaum überleben, weil alles so teuer ist. Das Gute an der heutigen Zeit ist aber, dass man theoretisch überall leben und arbeiten kann, weil man durchs Internet unabhängig ist. Heutzutage ist jeder vernetzt und es gibt Leute, die in Thailand leben, in irgendwelchen Co-Working Spaces arbeiten und jeden Tag surfen gehen. In der Nacht skypen sie dann mit den Firmen in Graz, für die sie arbeiten. Auch Detroit ist wieder ein großes Thema für New Yorker, die aus dem Big Apple wegziehen, weil sie wieder mehr Lebensqualität zu günstigeren Preisen wollen.

 

Was hat es mit Austropoetry (s. auch www.valentinamorianz.com) auf sich?

Während meinen Auslandsaufenthalten ist mir aufgefallen, wie einzigartige das Österreichische ist, dass wir ganz viele Begriffe und Redewendungen haben, welche Deutsche zum Beispiel gar nicht verstehen. In Spanien lernte ich ein paar Deutsche kennen, die wussten nicht einmal was ein „Sackerl“ ist (lacht). Das fand ich sehr lustig und habe begonnen, mit unserer Sprache grafisch zu spielen. Viele dieser Sprüche hört man eigentlich nur im Wirtshaus oder liest man im Bauernkalender und dennoch sind sie irgendwie Teil unserer Kultur. Es ist ein netter Kontrast, etwas, was eigentlich „schmutzig“ ist, schön zu illustrieren (s. „Wer viel sudert, wird net pudert“). In meiner Altersgruppe hört man solche Sprüche nicht wirklich und wenn man sie nicht in irgendeiner Form erhält, werden sie verloren gehen. Außerdem gibt es das in der Form noch nicht und ich finde es Erfrischender als all die „Carpe Diem“ Sprüche auf Pinterest. Der Name Austropoetry ist natürlich von Austropop abgeleitet und ich habe auch die eine oder andere Textzeile von bekannten Austropop-Hits verarbeitet.

Du machst auch Videos. Für welche bekannte Persönlichkeit würdest du gerne ein Video drehen?

Ich habe bei OchoReSotto gelernt, mir die Basics angeeignet und dort schon viele coole Leute getroffen. Dann habe ich Gregor Schenker kennengelernt und begonnen mit ihm zu arbeiten. Wir wissen beide, wie wir ticken und wir ergänzen uns sehr gut. Das größte Problem ist eigentlich immer das Budget. Ich bin kein so ein Fan von den ganz Großen – ich finde, die Kleineren haben viel mehr Potential. Die Großen werden ohnehin von allen Seiten gepusht und haben eine riesige Marketingmaschinerie hinter sich. Die Kleinen sind interessanter und gehören viel mehr unterstützt. Wenn schon bekannt, dann fielen mir jetzt nur OK Go ein, die mit ihrem Laufband-Video sehr erfolgreich waren.

 

Wie gut kannst du mit Kritik umgehen?

Eigentlich bin ich sehr dankbar für konstruktive Kritik. Ich habe das Gefühl, dass wir hier viel zu wenig Kritik üben. Aber wenn alle nur sagen: „Wow. Das ist schön.“ kann ich daraus nichts lernen und mich auch nicht weiterentwickeln. Manchmal würde ich mir echt mehr reflektierende Meinungen wünschen und nicht erst das Messer im Rücken haben, wenn man sich umdreht. Das ist irgendwie sehr österreichisch (lacht).

 

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus und was ist dir wichtig, um kreativ sein zu können?

Ich bin eine totale Chaotin und arbeite überall, wo eben Platz ist. Ich habe immer etwas zu zeichnen mit und wenn es passt, dann lege ich los.

Arbeitest du lieber alleine oder im Team?

Beides. Wenn man in einem Team arbeitet, muss man sich aber auch auf die anderen verlassen können – das ist oft sehr schwierig. Das hängt aber auch immer von den einzelnen Menschen ab.

 

Wie siehst du die Arbeitseinstellung deiner Generation?

Was ich schon festgestellt habe, ist, dass in meiner Generation die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen. Ich treffe oft Leute am Abend, mit denen ich auch arbeite. Es ist mir wichtig, dass ich etwas mache, was in meinem Leben einen Sinn macht, denn sonst würde ich es als vergeudete Zeit ansehen. Ich könnte vielleicht für eine kurze Zeit etwas tun, was viel Geld bringt aber nicht unbedingt befriedigend ist. Auch aus so einem Job lernt man und wenn es nur der Umstand ist, dass man ihn nie wieder machen möchte.

 

Was ist deine Vorstellung von einem perfekten Freitagabend?

Ich würde Freunde zu mir einladen, eine Flasche Wein aufmachen und später gemeinsam auf ein Konzert gehen. Danach noch auf 1-2 Drinks und dann irgendwann zwischen 1 Uhr und 6 Uhr morgens heimgehen.

Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick?

Wow! Liebe ist so ein großes Wort. Ich glaube an Faszination auf den ersten Blick – daraus kann bestenfalls irgendwann einmal Liebe werden, aber dazu muss ich den anderen besser kennenlernen. Man kann jemanden nur lieben, wenn man ihn kennt, alles andere ist Bewunderung.

 

Wie siehst du Frauen generell so?

Wir trauen uns leider oft zu wenig zu und stehen uns selbst im Weg. Wir sollten uns nicht ständig mit andern vergleichen – schon gar nicht mit den Frauen, die sich perfekt auf irgendwelchen Social-Media-Kanälen präsentieren. Das ist nicht die Realität und der Vergleich mit ihnen ist ungesund. Man darf auch nicht vergessen, dass das deren Job ist und die nichts Anderes tun. Und dann die Frauenquote! Es sollte eigentlich egal sein, ob man ein Mann oder eine Frau ist – der, der besser ist, sollte den Job kriegen. Zwanghafter Feminismus nervt mich, ganz echt!

 

Welche Superkraft hättest du gerne?

Ich wäre gerne unsichtbar und würde den ganzen Tag Leute beobachten. Es ist sicher spannend, wie sie sich verhalten, wenn sie glauben, dass sie niemand sieht.

 

Was steht noch auf deiner To-Do-Liste?

Meine Liste ist sehr lange, obwohl ich sie noch nie niedergeschrieben habe. Ich würde echt gerne den Dive-Master machen – jetzt bin ich erst Advanced Diver – und würde gerne noch andere Sprachen lernen. Ich finde, wenn man eine neue Sprache lernt, dann steht einem auch eine ganz neue Welt offen. Außerdem gibt es noch Kontinente, wo ich noch nie war, wie zum Beispiel Südamerika, da möchte ich unbedingt hin.

 

Wen würdest du gerne interviewen?

Es gibt ganz viele Sängerinnen, die ich toll finden. Vielleicht Nina Simone oder Janis Joplin. Sophia Coppola und Grace Jones würde ich auch interessant finden. Und Frida Kalho hätte wohl auch viel zu erzählen gehabt.

Begriffe

Herausforderung: 
Das tägliche Leben. Das zu machen, was man liebt. Beziehungen generell.

Respekt: 
Sollte man jedem entgegenbringen.

Schmerz: 
Der seelische tut am meisten weh.

Freiheit: Genug von allem zu haben, dass man tun kann, was man will.

Misserfolg: Eine Chance, Erfahrungen zu sammeln und zu wachsen.

Weiblichkeit: 
Eine große Menge an Möglichkeiten. Die Macht, Männer zu kontrollieren. Die Bürde unserer Erziehung

www.valentinamorianz.com

Instagram: queenofcabbage

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