Lisa Manifold

Lisa Manifold (Fotografin)

Es ist das ersten Mal, dass ich eine Frau treffe, die fürs Militär tätig war. Lisa stammt ursprünglich aus dem Staat New York und wurde 1991 auf der Militärbasis in Twentynine Palms stationiert, wo sie für das Armeehospital tätig war. Von 1995 bis 1997 arbeitet sie im Krankenhaus in Quantico, wo sich ebenfalls eine US-Marine Corps Basis und die FBI-Akademie befindet. Menschen wie ich kennen Quantico nur aus irgendwelchen Action-Serien oder Filmen, weil dort FBI-Agenten ausgebildet werden. Also fühle ich mich ein wenig unsicher, da ich nicht weiß, wie man sich in der Gegenwart von Militärpersonal verhält. In Österreich gibt es auch nicht wirklich viele Frauen, die sich fürs eine Karriere beim Bundesheer entscheiden und tatsächlich steht ihnen diese Option auch erst seit 20 Jahren offen. Lisa ist ganz anders als ich sie mir vorgestellt habe, sie ist zurückhaltend und ruhig, fast ein wenig schüchtern. Je länger wir uns unterhalten, desto mehr öffnet sie sich allerdings und ich verliebe mich in ihre Geschichte und ihren Humor. Ganz zu schweigen von ihren Fotos.

Das Fotografieren hat Lisa erst vor vier Jahren entdeckt. Sie erzählt mir, dass es, als sie klein war, einen Freund der Familie gab, der Fotos von ihr und ihren sechs Geschwistern machte. Sie liebt diese familiären Kindheitserinnerungen, die schräge Outfits, 60er Jahre Frisuren, lustige, bunte Brillen, zahnlose Lächeln und einzigartige Persönlichkeiten portraitieren. Als sie also selbst Enkelkinder bekam, wollte sie ihnen auch etwas Unersetzliches schenken und kaufte sich eine Digitalkamera. Die Welt durch eine Linse zu erforschen, veränderte ihr Leben. So sehr, dass sie sogar aus der Marine ausschied, um ihre neue Leidenschaft intensiver verfolgen zu können.

Als Naturliebhaberin setzt sie ihren fotografischen Fokus zurzeit auf die Wildnis, insbesondere auf die Landschaften, die in den Wüsten im südwestlichen Teil der USA zu finden sind. Lisa fängt mit ihrer Kamera besondere Momente ein und wenn man ihre Fotos betrachtet, wie zum Beispiel ihre Nachtaufnahmen von der Milchstraße, den Sternschnuppen oder von Blitzen, die in die Erde fahren, fühlt man sich klein und demütig, ob der Naturgewalten, die uns umgeben. Jedes Bild erzählt eine eigene Geschichte und zieht einen in eine Kulisse, die märchenhaft und beinahe unwirklich erscheint. Sie animieren einen dazu, sich auf den Weg zu machen, um diese magische Stimmung selbst zu erleben.

Lisa erzählt mir, dass der Westen, wie er einmal war, nicht mehr wirklich existiert. Aber ihrer Meinung nach gäbe es eine neue Wildnis. Ihr Fünfjahresplan beinhaltet, die wilden Mustangs, die noch in den Vereinigten Staaten zu finden sind, zu fotografieren und den Geist des Wildlebens für ihre Enkelkinder einzufangen. Daher plant sie auch in die Sonoran Desert nach Arizona zu ziehen, wo es noch immer sehr viel davon gibt. Wenn man einmal ein Wüstenmensch ist, dann bleibt man wohl auch einer.

Für Lisa ist eine Frau, die in der Wüste lebt, jemand, der zu dem, was sie ist, steht und sich damit auch wohl fühlt. Denn die Wüste lässt es zu. Man muss nur seine Ängste überwinden und dann wird man sich selbst übertreffen. Wenn man das nicht schafft, könnte man ganz viel verpassen. Wer sich davor fürchtet eine Nacht alleine im Joshua Tree Nationalpark zu verbringen, wird auch nie diese einzigartigen und vielleicht lebensveränderten Nachthimmel sehen. Sie rät dazu, es einfach zu versuchen, denn es ist nie zu spät, einen Traum zu verfolgen oder eine Passion auszuleben. Lisa ist das beste Beispiel dafür.

Wenn man sie fragt, welches ihrer Bilder ihr Lieblingsfoto ist, zitiert sie Imogen Cunninham, eine stilbildende amerikanische Fotografin: „Das, welches ich morgen machen werde.“ Ich freue mich schon darauf, da Lisa ihre Reise gerade erst begonnen hat. Ich ahne, da kommt noch mehr!

Mehr über Lisa Manifold auf https://lisa-manifold.pixels.com

Die restlichen Portraits folgen in den nächsten Wochen. Stay tuned!

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